Praktische Theologie

Jede*r fängt mal klein an - auch wir. Aus einer gemeinsamen Vision für eine vielfältige Theologie wollen wir erste literarische Schneebälle zur Verfügung stellen, mit denen wir in die Welt spannender theologischer Entwürfe eintauchen können. Vielleicht auch für deine nächste Hausarbeit oder Referat eine erste Fährte! 🚀


Liturgik

"Eine Sprache, die sich in Gottesdienst und Liturgie um Gerechtigkeit im Blick auf Frauen und Männer bemüht, durchbricht die Dominanz männlicher Sprachformen und Bilder. Sie durchbrichtmännliche Dominanz im liturgischen Geschehen überhaupt.
Darüber hinaus ist gerechter Sprachgebrauch konkret
und authentisch, er berührt Kopf und Herz.
Gerechter Sprachgebrauch folgt dem biblischen Bilderverbot als Gebot, Gott nicht ausschließlich männlich zu denken. Das Bilderverbot ist demnach ein zwingender Grund, von Gott in männlichen und weiblichen Bildern zu sprechen und sich um geschlechtsübergreifende Metaphorik zu bemühen."
(EKiR, Handreichung)

Gottesdienste feiern

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Praxishilfen und Materialien für die Vorbereitung

Diese erste Übersicht wurde von Dr.'in Kerstin Menzel zusammengestellt - herzlichen Dank! 


  • Welche Bibelübersetzungen? Inklusive und gerechte Übersetzungen sind in der Bibel in gerechter Sprache zu finden. Auch die Kirchentagsübersetzungen sind oft in vieler Hinsicht sprachlich inklusiv. 


  • "Denn alle, die ihr in den Messias hineingetauft seid, habt den Messias angezogen wie ein Kleid." (Gal 3,28 BigS) Wirklich alle? Die AG Geschlechtergerechte Sprache der EKBO erarbeitet Texte und Arbeitshilfen für Gottesdienste, die auch sprachlich alle einladen. Weiter unten finden Sie diese, gegliedert nach den liturgischen Elementen.
    Zur Website


  • Broschüre der EKiR (Evangelische Kirche im Rheinland), die Vorschläge für geschlechtergerechte Sprache und deren Verwendung in liturgischen Bezügen gibt. Zur Broschüre


  • Gottesdienstbuch in gerechter Sprache. Gebete, Lesungen, Fürbitten und Segensprüche für die Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres, Gütersloh 2003.


  • Werkbuch Gerechte Sprache. Praxisentwürfe für Gemeindearbeit und Gottesdienst, Gütersloh 2003. (4 Bände, hg. von Erhard Domay und Hanne Köhler)

 


  • Gottes Wort weiblich Ein Angebot von Dr. Annette Jantzen des Bistums Aachen: für jeden Sonntag ein Text aus der katholischen Leseordnung in geschlechtergerechter Sprache, klar, aussagekräftig, heutig, schön. Ein Gebet, eine Übersetzung, eine Kurzauslegung, ein Segen... 



Ein Tipp aus der Community: Das Münchener Dokument "Diskriminierung durch Worte? Leitfaden zur Sprachreflexion in der Theologie" --> Link


 

Literaturliste Praktische Theologie

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Diese Literaturliste wurde überblickshaft von Dr.'in Kerstin Menzel zusammengestellt - herzlichen Dank! 


Allgemein

  • Bieler, Andrea: Gottesdienst interkulturell. Predigen und Gottesdienst feiern im Zwischenraum (Christentum heute; Bd.9), Stuttgart 2008. 
  • Diess.: Verletzliches Leben. Horizonte einer Theologie der Seelsorge, Arbeiten zur Pastoraltheologie, Liturgik und Hymnologie Bd. 90), Göttingen 2017.
  • Bieler, Andrea/ Karle, Isolde/ Kim-Cragg HyeRan/ Nord Ilona: Religion and migration. Negotiating Hospitality, Agency and Vulnerability, Leipzig 2019. 
  • Karle, Isolde: "Da ist nicht mehr Mann noch Frau..." Theologie jenseits der Geschlechterdifferenz, Gütersloh 2006. 
  • Wagner-Rau, Ulrike: Mutterbilder in der christlichen Theologie und Frömmigkeitspraxis. Streiflichter aus evangelischer Perspektive, in: Krüger-Kirn, Helga/ Metz-Becker, Marita/ Rieken, Ingrid Rieken (Hrsg.), Mutterbilder Kultur-historische, sozialpolitische und psychoanalytische Perspektiven, Gießen 2016, 67-84.
  • Diess.:  Lebensgeschichten und Sterbegeschichten. Geschlechterdiversität in literarischen Selbstzeugnissen, in: Angela Berlis, Magdalene L. Frettlöh, Isabelle Noth und Silvia Schroer: Die Geschlechter des Todes. Theologische Perspektiven auf Tod & Gender, Göttingen. (im Erscheinen)
  • Walz, Heike: Theologie und Geschlecht. Dialoge querbeet, 2008.
  • Diess.: „... nicht mehr männlich und weiblich ...“? Ekklesiologie und Geschlecht in ökumenischem Horizont, Frankfurt a. M., 2006.


Pastoraltheologie:

  • Hartlieb, Elisabeth/ Koslowski, Jutta/ Wagner-Rau, Ulrike: Das neue Kleid. Feministisch-theologische Perspektiven auf geistliche und weltliche Gewänder, Sulzbach/Taunus 2010 
  • Mantei, Simone/ Sommer, Regina/ Wagner-Rau, Ulrike:  Geschlechterverhältnisse und Pfarrberuf im Wandel. Irritationen, Analysen und Forschungsperspektiven, Stuttgart 2013.
  • Mantei, Simone: Pfarrberuf und Geschlecht - Von historischen Verhältnis-bestimmungen zu den Konturen einer zeitgenössischen geschlechterbewussten Pastoraltheologie“ in: Regina Sommer, Julia Koll (Hg.): Schwellenkunde – Einsichten und Aussichten für den Pfarrberuf im 21. Jahrhundert. FS Ulrike Wagner-Rau, Stuttgart 2012, 69-82. 


Seelsorge:

  • Kummer, Armin: Reforming pastoral care. Masculinity, male pathologies, and gender-specific pastoral care, in: Reforming practial theology (Bd.1), S.29-36.
  • Pohl-Patalong, Uta: Gender-Sensibilität: Perspektiven für eine seelsorgerliche Kirche, in: Seelsorgerliche Kirche im 21. Jahrhundert, 2005, S.94-119.
  • Andrea Bieler: Verletzliches Leben. Horizonte einer Theologie der Seelsorge, Arbeiten zur Pastoraltheologie, Liturgik und Hymnologie Bd. 90), Göttingen 2017.


Religionspädagogik:

  • Pemsel-Maier, Sabine (Hrsg.): Blickpunkt Gender. Anstöß(ig)e(s) aus Theologie und Religionspädagogik (Bd. 12), Frankfurt a.M. 2013.


Liturgik:

  • Schirr, Bertram: Postkoloniale Liturgiewissenschaft: Kritische Ansätze in Theorie und Praxis des Gottesdiensts im deutschen Kontext, in: Postkoloniale Theologien/ 2 Perspektiven aus dem deutschsprachigen Raum, 2008. 
  • Neal, Jerusha Matsen: The Overshadowed Preacher: Mary, the Spirit, and the Labor of Proclamation, 2020.



Auch: 

  • #wirfürvielfalt
    Eine Diversity-Plattform zur Stärkung des gesellschaftlichen Miteinanders im Unterricht 🌈👩🏽‍🏫📱. Auf der Website sind Materialen und Ideen zu Themen wie soziale Herkunft, religiöse und kulturelle Vielfalt, Antirassismus, Inklusion, Gender und Sexualität, etc. gesammelt - eine super Bereicherung für jede Unterrichtsstunde! 


Feministisch predigen 
Feministisch Predigen ist ein ehrenamtliches Projekt von Pastorinnen, Pfarrerinnen, Diakoninnen, die Gottesdienstentürfe für jeweils ein Kirchenjahr schreiben.
https://www.feministisch-predigen.de/ 

Interdisziplinäre Perspektiven

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Sehr gut sind viele Bände, die von der ESWTR (European Society of Women in Theological Reserach) herausgegeben werden. Klickt euch mal durch die verschiedenen Artikel:
Etwa 

  • Journal of European Society of Women in Theological Reserach, Vol. 22 (2014): Resistance and Visions
    Resistencias y visiones
    Widerstand und Visionen

    hier 
  • Journal of European Society of Women in Theological Reserach, Vol. 26 (2018):
    Translation - Transgression - Transformation
    hier
  • Journal of European Society of Women in Theological Reserach, Vol. 286 (2020): Gender, Race, Religion. De/constructing Regimes of In/visibility
    hier


Auch die Jahrestagungen der deutschen Sektion sind alle veröffentlicht und tolle Bände.

Postkolonial-feministische Homiletik

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Literaturtipps, die PD Dr. Sabrina Müller in ihrem Vortrag für #theoversity erwähnt hat:
 

  • Hyeran Kim Cragg, Postcolonial Preaching. Creating a Ripple Effect, London 2021. 
  • Kwok Pui-lan, Postcolonial Imagination & Feministi Theory, Minneapolis 2005. 
  • Kathleen A. Cahalan / Gordon S. Mikoski, Opening the Field of Practical Theology. An Introduction, Plymouth (UK) 2014. 
  • Nicola Slee, Fragments for Fractured Times. What Feminist Practical Theology Brings to the Table, Norwich 2020. 

Korrekturprogramm von Dr. Marie Hecke:


Neun Vorschläge für ein Autokorrekturprogramm¹
 für Predigt und Unterrichten aus intersektionaler Perspektive zu Joh 9:


  • Erstens:  Habe ich Krankheiten und/oder Behinderung mit Sünde und/oder Schuld in Verbindung gebracht? (Wenn ja - löschen)    


  • Zweitens: Habe ich den Eindruck erweckt, dass sich die Person mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung nichts sehnlicher wünscht als ihre Behinderung zu „überwinden“, „geheilt zu werden“ oder sie „loszuwerden“. (Wenn ja - ergänzen: Die Wertschätzung aller Arten von physischen Körpern und nicht einen vermeintlich gesunden Körper zum Maßstab der menschlichen Perfektion erheben, ohne dabei Menschen auch abzusprechen, dass sie vielleicht auch den Wunsch haben körperlich „geheilt“ zu werden)  


  • Drittens: Habe ich (vielleicht nur zwischen den Zeilen) "Nichtbehinderte" und "Gemeinde" miteinander identifiziert, ebenso "Behinderte" und "Randgruppe"? Habe ich von sog. Normalen im Gegensatz zu Menschen mit Behinderung gepredigt? (Wenn ja - löschen)   


  • Viertens: Habe ich „blind“, „lahm“, „taub“ als negative Metapher für nichtverstehen, verkennen, Ignoranz verwendet? Habe ich Jüd:innen als „blind“ bezeichnet?  (Wenn ja - verändern)  


  • Fünftens: Habe ich Behinderung und/oder chronische Erkrankung mit negativen Begriffen von Schwere, Last, Einsamkeit und die sog. Heilung mit Leichtigkeit, Lebensfreude etc. verknüpft?  (Wenn ja - löschen)  


  • Sechstens: Habe ich Behinderung aus der guten Schöpfung ausgeklammert und/oder angezweifelt, dass auch sie ein Teil der Vielfalt der Schöpfung Gotts darstellen? (Wenn ja - verändern)  


  • Siebtens: Habe ich differenziert und bewusst die verschiedenen Verständnisse/Definitionen/Modelle von Behinderung benannt und angewandt, also zwischen dem Verständnis, was Behinderung in biblischer Zeit heißen konnte, und den heutigen Verständnissen (medizinische, kulturelle, soziologische Definition etc.) unterschieden? (Wenn nicht - differenzieren)   


  • Achtens: Habe ich als Prediger:in/Auslegende des Textes mein eigenes Verhältnis zu meinem Körper, meine Angst vor bzw. meine Gefühle bezüglich eigener Vulnerabilität und meinen internalisierten Ableismus reflektiert? (Wenn nein – bewusst machen und reflektiert überlegen, wo es die Predigt beeinflusst und wie ich damit umgehe: offenlegen/weglassen/benennen…)  


  • Neuntens: Habe ich die Ambiguität erwähnt, ausgehalten und eingeübt, dass es mehr als einen Weg gibt, um (körperlich) vollkommen zu sein und zu glauben? Um es mit den Worten von der nicht sehenden Theologin Schumm zu sagen: „There is more than one way to be whole and holy“.  (Wenn nicht - ergänzen) 


¹ Als erstes hat der Theologe Ulrich Bach ein Korrekturprogramm für die Predigt von Heilungsgeschichten entwickelt. Vlg. https://ulrich-bach.de/wie-predige-ich-heilungsgeschichten/, letzter Zugriff: 13.10.2023. 


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