Praktische Theologie

Jede*r fängt mal klein an - auch wir. Aus einer gemeinsamen Vision für eine vielfältige Theologie wollen wir erste literarische Schneebälle zur Verfügung stellen, mit denen wir in die Welt spannender theologischer Entwürfe eintauchen können. Vielleicht auch für deine nächste Hausarbeit oder Referat eine erste Fährte! 🚀


Liturgik

"Eine Sprache, die sich in Gottesdienst und Liturgie um Gerechtigkeit im Blick auf Frauen und Männer bemüht, durchbricht die Dominanz männlicher Sprachformen und Bilder. Sie durchbrichtmännliche Dominanz im liturgischen Geschehen überhaupt.
Darüber hinaus ist gerechter Sprachgebrauch konkret
und authentisch, er berührt Kopf und Herz.
Gerechter Sprachgebrauch folgt dem biblischen Bilderverbot als Gebot, Gott nicht ausschließlich männlich zu denken. Das Bilderverbot ist demnach ein zwingender Grund, von Gott in männlichen und weiblichen Bildern zu sprechen und sich um geschlechtsübergreifende Metaphorik zu bemühen."
(EKiR, Handreichung)

Gottesdienste feiern

Literaturliste Praktische Theologie

Interdisziplinäre Perspektiven

Postkolonial-feministische Homiletik

Korrekturprogramm von Dr. Marie Hecke:


Neun Vorschläge für ein Autokorrekturprogramm¹
 für Predigt und Unterrichten aus intersektionaler Perspektive zu Joh 9:


  • Erstens:  Habe ich Krankheiten und/oder Behinderung mit Sünde und/oder Schuld in Verbindung gebracht? (Wenn ja - löschen)    


  • Zweitens: Habe ich den Eindruck erweckt, dass sich die Person mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung nichts sehnlicher wünscht als ihre Behinderung zu „überwinden“, „geheilt zu werden“ oder sie „loszuwerden“. (Wenn ja - ergänzen: Die Wertschätzung aller Arten von physischen Körpern und nicht einen vermeintlich gesunden Körper zum Maßstab der menschlichen Perfektion erheben, ohne dabei Menschen auch abzusprechen, dass sie vielleicht auch den Wunsch haben körperlich „geheilt“ zu werden)  


  • Drittens: Habe ich (vielleicht nur zwischen den Zeilen) "Nichtbehinderte" und "Gemeinde" miteinander identifiziert, ebenso "Behinderte" und "Randgruppe"? Habe ich von sog. Normalen im Gegensatz zu Menschen mit Behinderung gepredigt? (Wenn ja - löschen)   


  • Viertens: Habe ich „blind“, „lahm“, „taub“ als negative Metapher für nichtverstehen, verkennen, Ignoranz verwendet? Habe ich Jüd:innen als „blind“ bezeichnet?  (Wenn ja - verändern)  


  • Fünftens: Habe ich Behinderung und/oder chronische Erkrankung mit negativen Begriffen von Schwere, Last, Einsamkeit und die sog. Heilung mit Leichtigkeit, Lebensfreude etc. verknüpft?  (Wenn ja - löschen)  


  • Sechstens: Habe ich Behinderung aus der guten Schöpfung ausgeklammert und/oder angezweifelt, dass auch sie ein Teil der Vielfalt der Schöpfung Gotts darstellen? (Wenn ja - verändern)  


  • Siebtens: Habe ich differenziert und bewusst die verschiedenen Verständnisse/Definitionen/Modelle von Behinderung benannt und angewandt, also zwischen dem Verständnis, was Behinderung in biblischer Zeit heißen konnte, und den heutigen Verständnissen (medizinische, kulturelle, soziologische Definition etc.) unterschieden? (Wenn nicht - differenzieren)   


  • Achtens: Habe ich als Prediger:in/Auslegende des Textes mein eigenes Verhältnis zu meinem Körper, meine Angst vor bzw. meine Gefühle bezüglich eigener Vulnerabilität und meinen internalisierten Ableismus reflektiert? (Wenn nein – bewusst machen und reflektiert überlegen, wo es die Predigt beeinflusst und wie ich damit umgehe: offenlegen/weglassen/benennen…)  


  • Neuntens: Habe ich die Ambiguität erwähnt, ausgehalten und eingeübt, dass es mehr als einen Weg gibt, um (körperlich) vollkommen zu sein und zu glauben? Um es mit den Worten von der nicht sehenden Theologin Schumm zu sagen: „There is more than one way to be whole and holy“.  (Wenn nicht - ergänzen) 


¹ Als erstes hat der Theologe Ulrich Bach ein Korrekturprogramm für die Predigt von Heilungsgeschichten entwickelt. Vlg. https://ulrich-bach.de/wie-predige-ich-heilungsgeschichten/, letzter Zugriff: 13.10.2023. 


Du hast auch einen Literaturtipp? Ideen für Ergänzungen? Du brauchst Hilfe? Melde dich immer gerne!