Dis/ability Theologie
Jede*r fängt mal klein an - auch wir. Aus einer gemeinsamen Vision für eine vielfältige Theologie wollen wir erste literarische Schneebälle zur Verfügung stellen, mit denen wir in die Welt spannender theologischer Entwürfe eintauchen können. Vielleicht auch für deine nächste Hausarbeit oder Referat eine erste Fährte! 🚀
Dis/ability studies
"Disability Studies erzählen andere Geschichten über Behinderungen (Garland-Thomson), die diese nicht als defizitäre, sondern als produktive Kategorie erschließen und damit einen Perspektivwechsel initiieren."(Genderportal Kiho Wuppertal)
Zum Einstieg
Literatur Dis/ability Exegese
Literaturhinweise theolog. disability studies
Theologie & Taubheit
Zuhören
Korrekturprogramm von Dr. Marie Hecke:
Neun Vorschläge für ein Autokorrekturprogramm¹
für Predigt und Unterrichten aus intersektionaler Perspektive zu Joh 9:
- Erstens: Habe ich Krankheiten und/oder Behinderung mit Sünde und/oder Schuld in Verbindung gebracht? (Wenn ja - löschen)
- Zweitens: Habe ich den Eindruck erweckt, dass sich die Person mit Behinderung und/oder chronischer Erkrankung nichts sehnlicher wünscht als ihre Behinderung zu „überwinden“, „geheilt zu werden“ oder sie „loszuwerden“. (Wenn ja - ergänzen: Die Wertschätzung aller Arten von physischen Körpern und nicht einen vermeintlich gesunden Körper zum Maßstab der menschlichen Perfektion erheben, ohne dabei Menschen auch abzusprechen, dass sie vielleicht auch den Wunsch haben körperlich „geheilt“ zu werden)
- Drittens: Habe ich (vielleicht nur zwischen den Zeilen) "Nichtbehinderte" und "Gemeinde" miteinander identifiziert, ebenso "Behinderte" und "Randgruppe"? Habe ich von sog. Normalen im Gegensatz zu Menschen mit Behinderung gepredigt? (Wenn ja - löschen)
- Viertens: Habe ich „blind“, „lahm“, „taub“ als negative Metapher für nichtverstehen, verkennen, Ignoranz verwendet? Habe ich Jüd:innen als „blind“ bezeichnet? (Wenn ja - verändern)
- Fünftens: Habe ich Behinderung und/oder chronische Erkrankung mit negativen Begriffen von Schwere, Last, Einsamkeit und die sog. Heilung mit Leichtigkeit, Lebensfreude etc. verknüpft? (Wenn ja - löschen)
- Sechstens: Habe ich Behinderung aus der guten Schöpfung ausgeklammert und/oder angezweifelt, dass auch sie ein Teil der Vielfalt der Schöpfung Gotts darstellen? (Wenn ja - verändern)
- Siebtens: Habe ich differenziert und bewusst die verschiedenen Verständnisse/Definitionen/Modelle von Behinderung benannt und angewandt, also zwischen dem Verständnis, was Behinderung in biblischer Zeit heißen konnte, und den heutigen Verständnissen (medizinische, kulturelle, soziologische Definition etc.) unterschieden? (Wenn nicht - differenzieren)
- Achtens: Habe ich als Prediger:in/Auslegende des Textes mein eigenes Verhältnis zu meinem Körper, meine Angst vor bzw. meine Gefühle bezüglich eigener Vulnerabilität und meinen internalisierten Ableismus reflektiert? (Wenn nein – bewusst machen und reflektiert überlegen, wo es die Predigt beeinflusst und wie ich damit umgehe: offenlegen/weglassen/benennen…)
- Neuntens: Habe ich die Ambiguität erwähnt, ausgehalten und eingeübt, dass es mehr als einen Weg gibt, um (körperlich) vollkommen zu sein und zu glauben? Um es mit den Worten von der nicht sehenden Theologin Schumm zu sagen: „There is more than one way to be whole and holy“. (Wenn nicht - ergänzen)
¹ Als erstes hat der Theologe Ulrich Bach ein Korrekturprogramm für die Predigt von Heilungsgeschichten entwickelt. Vlg. https://ulrich-bach.de/wie-predige-ich-heilungsgeschichten/, letzter Zugriff: 13.10.2023.